Von Tulsa, OK nach Oklahoma City

Die Straße trägt uns weiter durch Oklahoma. Mal dicht von Laubbäumen bewaldet, mal flach und üppig grün, so weit das Auge reicht. Weitgehend verläuft die Route 66 auf einem inzwischen neuen Highway und nur ab und an zeigen sich alte, historische Abschnitte.

Die Strecke heute ist kurz, beide Städte sind nur knappe 180 km von einander entfernt. Als wir in Oklahoma City eintreffen, rappelt das Mobiltelefon mit schlechten Nachrichten aus Barcelona. Sollte das Schicksal sein?

Am 19. April 1995, um 9:02 Uhr verloren 168 Menschen durch ein Bombenattentat in Oklahoma City ihr Leben. Die Stadt verliert ihre Unschuld und Amerika wird zum ersten Mal ernsthaft im eigenen Land erschüttert. Diesem Attentat, den Opfern und Überlebenden gedenkt die Stadt mit einem wunderschön angelegten Denkmal, dass sich an genau der Stelle befindet, an der das Murrah Federal Bulding stand.

Zwei große Tore stehen sich gegenüber - Tor 1 mit der Uhrzeit 9:01 - Tor 2 mit der Uhrzeit 9:03. Dazwischen befindet sich eine ruhige spiegelnde Wasserfläche. Es ist die Zeit, eine Minute vor dem Attentat und die Zeit eine Minute nach dem Attentat und symbolisiert wie die Unschuld von einer auf die andere Minute verloren geht, sich das Leben einzelner Menschen, Familien, einer Stadt, gar einer ganzen Nation verändert.

Und wie an jenem Tag geschehen, so auch heute in Barcelona.

Ich sitze in dem Denkmal, meine Gedanken kreisen um die Nachrichten. Ich bin traurig und wütend zugleich. Traurig, weil ich an die Schicksale der Opfer und ihrer Angehörigen denke. Wütend, weil mich die abgedroschenen und leeren Beileidbekundungen der Politiker ekeln. Es fehlen Taten, die nicht Rache suchen, sondern nachhaltige Lösungen. Europa kann nicht das Schicksal eines ganzen afrikanischen Kontinents retten und Europa darf nicht zum Blitzableiter der Wut böser, fanatischer Menschen aus dem islamischen Glaubensraum werden. Beides gesteht sich die europäische Politik nicht ein - sie mutet es aber den Menschen in Europa zu.

Ganz am Ende schließt sich auch wieder der Kreis zur Gedenkstätte in Oklahoma City und wie ich so in der schönen Parkanlage unter dem Baum der Überlebenden sitze, stelle ich mir die Frage, wo wir der Opfer von Paris, Brüssel, Berlin, London und Barcelona gedenken? Nirgends, - Europa und insbesondere Deutschland hat keinen Stolz mehr - wir gedenken nicht - wir geiseln uns nur mit unserer Vergangenheit - dafür haben wir Platz.

Das Schlußbild meines heutigen Blogeintrags ist ein Sonnenuntergangsgruß, der Stille und Gedenken vermittelt. Ich widme dieses Bild den Opfern und Angehörigen von Barcelona.

Travel Photography The Legendary Route 66-102.jpg

Von Springfield, MO nach Tulsa, OK

Es treibt uns weiter und wir verlassen Springfield und damit auch rasch den Bundesstaat Missourie. Die Route 66 trägt uns in die Staubschüssel der USA nach Oklahoma. Die Landschaft flacht immer mehr ab - Farmen bedeutet hier vor allem Rinderzucht.

Die Straße hat hier wirklich romantische und ländlich-idyllische Abschnitte. Knapp 25 Miles westlich von Springfield treffen wir auf Gary's Gay Parita - und seine irre Route 66 Devotionaliensammlung - er und die Sammlung sind ein Unikum, machen aber genau das aus, was die Route 66 so legendär macht.

Weiter geht es auf kleineren und größeren Straßenabschnitten, stehts ländlich und westernartig - die Titelmusik von Bonanza will mir nicht aus dem Kopf gehen - aber genauso sieht es hier aus. Wir treffen auf das kleine Örtchen Carthage und lassen uns bei Ed und Kate im "Mother Road Coffee" verwöhnen. Es ist keine der typischen Kaffeehaus Ketten - hier kommt der Kuchen noch von Muttern, vielmehr Großmuttern - und die kann es wirklich! Kate und Ed kommen nicht aus der Gegend, sind zugezogen und haben in dem kleinen Örtchen genau das eröffnet, was den beiden am meisten gefehlt hat - ein Café.

Wir fahren weiter - das Wetter hat sich gedreht. Dunkle Wolken hängen am Himmel und für den Nachmittag sind schwere Gewitter vorhergsagt. Wir befinden uns wie gesagt in Oklahoma - wem das nichts sagt, dem sei gesagt, dass es im Jahr hier 54 Twister gibt - gesehen haben wir keinen aber konnten uns bei den aufziehenden Unwettern gut vorstellen, wie es wohl sein mag, wenn plötzlich ein Rüssel aus den Wolken wächst.

Nach ergiebigen Regenschauern und Blitzen erreichen wir Tulsa, OK. Die Stadt ist in Bewegung - offenbar hat man in den letzten Jahren viel investiert, gebaut und hergerichtet. Downtown ist von größeren Gebäuden geprägt aber drum herum, in ehemaligen Industriegebieten entstehen in alten Werk- und Lagerhallen interessante neue Wohnungen, Büros, Bars & Restaurants im Loftcharakter.